Mit Silvain Wyler verliert das Schweizer Judentum einer ihrer charakteristischen Macher und Repräsentanten. Dass die kleine jüdische Gemeinde Winterthur ihre Substanz über Jahrzehnte hindurch erhalten konnte und im Schatten der grossen Zürcher Gemeinden ihren Platz fand, ist vor allem auf Wylers Bestreben zurückzuführen. Mit seinem Tod endet die Ära der grossen Nachkriegsfiguren in der Schweiz. Menschen wie Sigi Feigel, Rolf Bloch und nun Silvain Wyler haben die hiesigen jüdischen Gemeinden mit tiefer Menschenliebe und echter Konzilianz geführt. Wer das Glück hatte, den Verstorbenen ein kleines Wegstück zu begleiten, wusste: Hier steht ein Mensch, ein Jude, ein Schweizer, der die Bedürfnisse seiner Mitmenschen höher als die seinen stellte.
Silvain Wyler war während des Zweiten Weltkrieges im Aktivdienst und konnte später so manche Episoden aus diesen schwierigen Zeiten wiedergeben. Mit seiner verstorbenen Gattin Marion führte er ein lebendiges Haus, Trotz der Abgeschiedenheit vom pulsierenden (jüdischen) Zürich, gelangen ihm und seiner Frau, den Stab des jüdischen Erbes an seine Kinder weiterzugeben, Gross ist die Enkelschar, auf die der fast Hundertjährige blicken konnte.
Nebst seinen beruflichen Erfolgen und seiner Vermittlungskunst zwischen den Menschen, sticht sein ehrenamtliches Präsidium für die jüdische Gemeinde Winterthur hervor Silvain Wyler wusste instinktiv, was die Gemeinde benötigt und wo ihre Grenzen liegen. Mit weiser Voraussicht gelangen ihm und seinen Nachfolgern, dass die IGW auf gesunden Beinen steht.
Vor etwa einem Jahr, als es Silvain Wyler bereits gesundheitlich nicht mehr gut ging, stiftete die Gemeinde eine Silberschale, die an die Verdienste ihres (Ehren-)Präsidenten erinnern soll. Vor allem die jüdische Gemeinschaft in und um Winterthur erinnert sich mit Hochachtung an ihren ehemaligen Präsidenten.
